Von Daniel Krummacher

Calw. Osnabrück, Karlsruhe, Mannheim – so lesen sich die Stationen auf Kai Podacks laufender Deutschland-Tournee "Swing ist mein Ding". Am Samstagabend gastierte der gebürtige Calwer mit seiner Big Band nun in der Aula.

Das Heimspiel stellte sich für den sichtlich bewegten Sänger als das vielleicht emotionalste Konzert der Rundreise heraus. Nur eines fehlt Podack nach eigenem Bekunden jetzt noch zum vollkommenen Glück.

Seine Familie, viele Freunde und alte Weggefährten waren gekommen, dazu eine große Zahl Swing-Begeisterter oder Jazz-Liebhaber. So war es kein Wunder, dass Marco Matías, Frontsänger der Gruppe "Restrepo", ein ausverkauftes Haus vermeldeten konnte.

Als Vorband kam dem Portugiesen sowie den beiden Kolumbianern Juan Restrepo (Gitarre) und Rodrigo Villalón am Cajón die Aufgabe zu, das Auditorium in Stimmung zu bringen. Dass ihnen dies mit einer Mischung aus Lounge-, Latin- und Acoustic-Musik beim Big Band-Publikum gelang, war so nicht zu erwarten. Der iberoamerikanische Pop mit viel Atmosphäre machte Lust auf mehr.

Dann schlug Podacks Stunde: Unter donnerndem Applaus betrat er die Bühne, ungläubig den Kopf schüttelnd, stammelte ein betont schüchternes "Hallo, ich bin der Kai", und schon ging es schnurstracks in den Album-Titel "Swing ist mein Ding". Die klassisch besetzte, internationale 18-köpfige Big Band sorgte für einen harmonischen, vollen Klangteppich, Podack artikulierte den selbst geschriebenen, heiteren Text klar, er tanzte in seiner ihm eigenen, zappeligen, ungeduldigen Art, brillierte im Jazz-typischen Scat-Gesang und er intonierte die Lied-Melodie meisterlich.

Sofort wurde klar, dass es der einstige Aurelius-Sängerknabe und Zauberflötensolist nicht von Ungefähr zum Jazz-Tenor mit Hochschul-Abschluss gebracht hat, der sich auch vortrefflich aufs Komponieren versteht. Seine helle Stimme krönte den satten Orchesterklang und hauchte den zumeist unbeschwerten, bisweilen harmlosen und manchmal frechen Texten etwas jugendlich Lebendiges ein. Das galt für "Männersport" ebenso wie für die Sinatra-Adaption "In the Wee Small Hours". Wer überdies die Big Band derart im Griff hat, dass sie schon auf die kleinste Geste präzise reagiert und den Sänger trotz großer Besetzung zu keinem Zeitpunkt übertönt, verdient das Prädikat "souverän und professionell".

Dass dieses musikalisch über jeden Zweifel erhabene Konzert darüber hinaus ein für Podack sehr emotionales wurde, lag in der Folge weniger an dem bald schmonzettenhaften Frieden-für-die-Welt-Stück "Habt ihr je die Tagesschau gesehn" oder an der Ballade "Alles Glück der Welt". Vielmehr hatte es mit dem Publikum zu tun. Um es mit Podack zu sagen: "Was ist das für ein geiler Scheiß?!"

Die Herzlichkeit und Begeisterung, mit denen die Calwer den zuvorderst authentischen Auftritt des Wahl-Kölners begleiteten, berührten den 28-jährigen sichtlich. Auf den Reggae "Montags Früh" reagierten die Besucher mit wippenden Köpfen, sie ließen sich von ihm zu ausgelassenem Salsa hinreißen, sie quittierten nahezu jedes Stück mit frenetischem Applaus und forderten am Ende ganze drei Zugaben. Wie Podack in "Egal ob in NY ..." treffend konstatiert: "Da wo deine Freunde sind, taucht das Glück ganz von alleine auf!"

Was ihm indes zum vollkommenen Glück noch fehlt, machte er augenzwinkernd im letzten regulären Stück deutlich: "Ich brauch ne Frau".