von Anken Bohnhorst-Vollmer

Melancholie und Ironie

Kai Podack und seine Big-Band machten richtig Spaß – bis auf die Lautstärke

Limburg. Mit unterhaltsamem Swing, Blues und Salsa im Big-Band-Sound präsentierten sich Sänger Kai Podack und ein furchteinflößend lautes Ensemble in der Stadthalle. «Swing ist mein Ding», lautete das eindrucksvolle Programm. Die Akustik im kleinen Saal der Stadthalle konnte mit dem großen Big-Band-Sound leider nicht mithalten.

Eine ausgewachsene und spielfreudige Big-Band im kleinen Saal der Stadthalle auftreten zu lassen, ist in etwa so sinnvoll, wie einen Schuhkarton durch den schmalen Schlitz eines Briefkastens zu zwängen. Es funktioniert irgendwie durch brachiales Pressen, aber richtig gut ist es für den Inhalt nicht. Das mussten jetzt Swing-Sänger Kai Podack und seine fantastische Big-Band erfahren und die zahlreichen Zuhörer erleiden. Denn der Blechbläser-Sound dieses Ensembles etwa knallte so laut, dass Bass und Gitarre allenfalls optisch beeindruckten und der hervorragende Pianist lediglich bei seinen Soli zu bestaunen war. Zu hören waren die einzelnen Stimmen nicht – leider auch die von Sänger Kai Podack nur mühsam.

Überzeugende Stimme

Das war deshalb besonders schade, weil dieser junge Mann eine Stimme mit unglaublich modulierfähigem Timbre hat. Mal klingt er kratzig, fast so, als wäre er einer der letzten Protestbarden der 1970er-Jahre. Dann wieder singt er samtweich und romantisch seine Hymnen ans Leben und an die Liebe. Und weil bei seinem Konzert im akustischen Streichholzschachtelformat kein Raum für Nuancen war, rief Kai Podack seine Botschaft dann auch gleich seinem Publikum zu. «Ich brauch ‘ne Frau», ist die Message des Abends und der Titel eines bluesigen Liedes über Sehnsucht, Hoffnung und Illusion. Mit unerwiderter Liebe und deren Vertonung scheint sich der Künstler auszukennen. Da schwingt und swingt so viel Melancholie in «Wenn ich den Blues nicht hätt‘» oder «Alles Glück der Welt», dass man ihn fast damit trösten möchte, dass die Musik immerhin schon mal romantisch ist. Ein bisschen feuriger darf‘s ohnehin sein. Denn mit «Ich tanze Salsa mit dir» haben die Musiker einen echten Party-Kracher im Programm. Da wird das Temperament der Zuhörer derart entfesselt, dass sie sich rasch von Kai Podack in die Grundschritttechnik des Salsa einführen lassen und begeistert mittanzen.

Bitte in den großen Saal

Es gibt aber auch eine ironische Seite bei Kai Podacks Musik und Texten, etwa wenn es um «Männersport» geht und darum, ob es dem Bewegungsdrang schon genügt, «zuzuschau‘n, wenn sich erwachsene Männer auf die Fresse hau‘n». Das erinnert stark an Reinhard Fendrichs musikalische Impressionen über das «Ski-foahrn»: Sport ist gesund, solange er im Fernsehen betrieben wird. Das gilt für österreichisch wie für hochdeutsch singende Künstler gleichermaßen. Richtig nachdenklich aber wird Kai Podack bei «Habt ihr je die Tagesschau geseh‘n». Das ist eine Ballade gegen Egoismus in der Welt und für das Privileg, den Ärmeren helfen zu dürfen. Nun ja. Ob da sanftes musikalisches Wachrütteln etwas bewirkt, bleibt fraglich. So ganz überzeugend wirkt dieser Vortrag allerdings nicht, weil der Jungmeister des Swings mehr wie eine Frohnatur denn als Bedenkenträger wirkt. Auf jeden Fall sollte man Kai Podack und seiner Big Band beim nächsten Mal den großen Saal der Stadthalle aufsperren. Diese Formation hat es verdient.