Tom Bullmann

Kai Podack im Blue Note

Der Traum vom Big Band Swing

Osnabrück. Vor 14 Jahren sang er mit glockenklarer Knabenstimme vom „Heidenröslein“. Heute singt Kai Podack ein paar Register tiefer von Männern und Frauen: „Was ist das für ein geiler Scheiß, Baby, du bist megaheiß“, singt er jetzt, begleitet von einer ausgewachsenen Big Band. Im Blue Note lud der 28-jährige Sänger zur Premiere eines engagierten Projekts, mit dem er sich den Traum von einer eigenen Big Band erfüllt. So drängen sich vier Trompeter, vier Posaunisten, fünf Saxofonisten und eine fünfköpfige Rhythmusgruppe auf der Bühne. Sie erzeugen das fulminante Klangbett für den Sänger Kai Podack, der mit seiner legeren Art offenbar einen Gegenentwurf zu Kollegen wie Roger Cicero abliefern will. Graue Strickmütze und abgetragene Jeans statt Hut und Anzug – das scheint die Devise zu sein. Und im Unterschied zu Cicero oder Tom Gäbel schreibt Podack die meisten Lieder samt Texten selbst. Wenn er von seinem Spaß erzählt, den er montagmorgens beim Unterrichten von Kindern hat, lässt er seine großformatige Begleitband einen Reggae intonieren: Zu lässigen Upbeats singt Podack davon, dass es zwar hart ist, montags früh aufstehen zu müssen, doch dass er für die Mühe spätestens entlohnt wird, wenn er mit den Kids Songs von Lady Gaga und Abba einstudiert. Danach schaltet der Sänger auf Salsa um: Er fordert das Publikum auf, sich zu erheben, erklimmt selbst einen Hocker. Dort demonstriert er eine kompakte Salsa-Schrittfolge, und der ganze Saal beginnt, zu den flotten Rhythmen eines kolumbianischen Percussionisten zu tanzen: „Ich tanze Salsa mit ihr…“ Aber Podack kann auch anders. Sein kritischer Song „Habt ihr je die Tagesschau gesehn?“ wird sich sicherlich gut in jeder Spendengala machen, wie sie im Fernsehen gerade zur Jahreswende Konjunktur haben. Ansonsten gedenkt er mit seiner Musik vieler Vorbilder: Frank Sinatra, Toots Thielemann, dessen Schlagzeuger Bruno Castellucci in seiner Band trommelt, sowie des im letzten Jahr verstorbenen Peter Herbolzheimer, den Podack zu seinen Förderern zählt. Leider wird die Premiere des Programms „Swing ist mein Ding“ von der heftigen Erkältung des Sängers überschattet, der nur nach Einnahme von Medikamenten die Bühne betreten kann. Aber solche Dinge gehen vorbei oder lassen sich ändern. Also kann für Kai Podack in diesem Jahr alles nur besser werden.